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C1) Ökonomische Evaluierung der Biodiversität

Ökonomische Evaluierung von Biodiversitätsorientirter Waldbewirtschaftungsstrategien

Marc Hanewinkel & Rasoul Yousefpour, 
DoktorandInnen: Andrey Lessa (2016 - 2019), Nicole Still (seit 2019)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Institut für Forstwissenschaft,
Professur für Forstökonomie und Forstplanung

Hintergrund

Nach dem sogenannten „Millenium Ecosystem Assessment" ist Biodiversität als Existenzwert unter den „Nichtnutzungswerten" klassifiziert. Costanza et al. (1) legen die wichtigen Werte dar, welche die Ökosysteme der Welt der Gesellschaft bieten. Wenn Waldbesitzer oder Manager davon überzeugt werden sollen, ihre Waldbewirtschaftung zu ändern, um die Biodiversität zu steigern, müssen die wirtschaftlichen Auswirkungen der geänderten Bewirtschaftungsstrategien offengelegt werden. Optimale Lösungen für die Bewirtschaftung von Waldressourcen berücksichtigen die Kompromisse zwischen verschiedenen Ökosystemdienstleistungen, einschließlich Biodiversität und Wirtschaftlichkeit.

 

Fragestellungen und Hypothesen

Eine allgemeine Hypothese von C1 lautet, dass die Ausrichtung der Waldbewirtschaftung auf Biodiversität wirtschaftliche Auswirkungen hat, die auf verschiedenen räumlichen Maßstäben quantifiziert werden können. In der ersten Phase wurde der Wert der Biodiversität als Opportunitätskosten innerhalb eines Simulations-Optimierungsansatzes ausgedrückt. Die darauffolgenden Forschungsfragen des Projekts C1 werden sich auf die Quantifizierung des sozialen Nutzens der Biodiversität konzentrieren. Untersucht werden optimale Werte zur Erhöhung der Strukturvielfalt und kosteneffiziente Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität von Wäldern. Wir stellen hiermit die Hypothese auf, dass Biodiversitätsziele auf wirtschaftlich effizientere Weise als mit bisherigen Managementmethoden erreicht werden können.

 

Ansatz, Methoden und Verknüpfungen

Der Ansatz sollte die Quantifizierung des marginalen Nutzens von Habitatbäumen und Totholz ermöglichen, der mit den marginalen Kosten und etablierten optimalen Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt verglichen werden kann. Aktuell zielt C1 auf die Kalibrierung eines prozessbasierenden Modells zur Untersuchung der Auswirkungen von Klima und Management auf die Biodiversität von Wäldern ab. Das Modell sollte in eine gekoppelte ökologisch-wirtschaftliche Analyse integriert werden und die Prüfung verschiedener Verwaltungsoptionen ermöglichen, um die wirtschaftliche Leistung mit den Naturschutzzielen für verschiedene Waldarten abzuwägen. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der Unsicherheit auf die ökologischen Modelle, auf die wirtschaftliche Leistung und das optimale Management auf Landschaftsebene untersucht. Das Risiko für die Bewirtschaftung mit Ziel Biodiversität wird analysiert, indem Rückkopplungswirkungen von Störungen ermittelt werden, z.B. die Schaffung von Totholz. Dies ermöglicht es, den Wert von Informationen und den Versicherungswert des Managements für die Biodiversität zu quantifizieren. Spezifische Informationen für verschiedene Waldarten und soziale Präferenzen werden von anderen Teilprojekten bereitgestellt.
Daher arbeitet C1 eng mit den A- und B-Projekten zusammen, um Informationen über die Beziehung zwischen Waldstruktur und Biodiversität und über die Anforderungen verschiedener Arten zu erhalten, und mit C2 und D1, um herauszufinden, welche Rolle wirtschaftliche Parameter bei der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Biodiversität spielen.

 

Ergebnisse

Das C1-Projekt konzentrierte sich in der ersten Phase auf die Opportunitätskosten der Biodiversität und die optimale Bewirtschaftung auf Ebene der Forstunternehmen- und der Landschaft. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen, dass es durch den Einsatz angemessener Entscheidungshilfeinstrumente möglich ist, die Kompromisse zwischen der forstwirtschaftlichen Rentabilität und dem Erhalt der Biodiversität abzuschwächen. Unter sich ändernden ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen müssen jedoch die Waldbewirtschaftung und natzurnahe Forstwirtschaft angepasst werden. Die wichtigsten Unsicherheitsfaktoren für die Waldbewirtschaftung wurden untersucht, wirtschaftliche Parameter wie Zinssatz und Holzpreis waren die wichtigsten Unsicherheitsfaktoren für Entscheidungen in der Forstwirtschaft. Wenn diese vielfältigen Quellen der Unsicherheit in einem Naturschutzplanungsmodell berücksichtigt wurden, war eine erhebliche Ausweitung der Naturschutzmaßnahmen auf der Ebene der Forstunternehmen erforderlich. Um die negativen Auswirkungen der Unsicherheit abzumildern, war es außerdem erforderlich, die Waldbewirtschaftung zu diversifizieren. Ein ähnliches Muster wurde auf der Landschaftsebene beobachtet, um den Erhalt von Mikrohabitaten von Bäumen, die forstwirtschaftliche Rentabilität und Waldvögeln auszugleichen. Eine starke Diversifizierung der Waldbewirtschaftung war notwendig, um eine Steigerung der Vogelabundanz zu unterstützen und gleichzeitig die Häufigkeit der Baummikrohabitate auf dem gewünschten Niveau zu halten. Unter Berücksichtigung der Vorteile der Biodiversität auf der Landschaftsebene haben wir festgestellt, dass die derzeitigen Bewirtschaftungspraktiken nicht für den angemessenen sozialen Wert der Biodiversität aufkommen können und dass der Anteil der Laubwälder erhöht werden muss, um das Biodiversitätsangebot in der Region zu verbessern. Um die Kluft zwischen effizienter und aktueller Versorgung zu verringern, kann die Biodiversität in Wäldern in öffentlichem Besitz durch freiwillige Fundraisingmechanismen gefördert werden. Das effiziente Niveau muss jedoch reduziert werden, die innerhalb der Bevölkerung unterschiedliche Wertschätzungen von Biodiversität vorhanden sind.

 

Perspektiven

Es wird analysiert, wie der Klimawandel und andere Unsicherheitsquellen mit der Biodiversität von Wäldern interagieren und den Entscheidungsprozess beeinflussen, wodurch optimale Managementreaktionen verändert werden. Insbesondere wird es interessant sein, zu sehen, wie sich die Auswirkungen steigender Temperaturen und einer damit verbundenen angenommenen Änderung der Stoffwechselraten und der Dynamik von Waldbiota Managemententscheidungen beeinflussen werden. Von besonderem Interesse sind dabei Veränderungen in der Artenzusammensetzung, Verschiebungen der Verbreitungsgebiete, die Veränderung der Habitatverfügbarkeit, sowie die erwartete Zunahme der Störungsaktivität. Außerdem wird eine große Freisetzung von Kohlenstoff, die gleichzeitig die inneren Waldhabitate verändert und die Verfügbarkeit von Totholz und offenen Lebensräumen erhöhen können. Von diesen Umweltfaktoren wird auch erwartet, dass sie die Rentabilität beeinflussen, indem sie die Wachstumsraten und das Waldbewirtschaftungsrisiko verändern. Wir beschäftigen uns mit maßgeschneiderten Managementmaßnahmen und einer dynamischen Naturschutzplanung, um diese Herausforderungen zu meistern. Es werden mehrere Unsicherheitsquellen untersucht, die wahrscheinlich eine erhöhte Robustheit der Verwaltungsmaßnahmen erfordern, um Flexibilität und Aktualisierung optimaler Verwaltungslösungen zu ermöglichen.