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C2) Lokales Wissen

Die Bedeutung lokalen Wissens für den Erhalt der Waldbiodiversität

Ulrich Schraml 1 & Georg Winkel 2
DoktorandInnen: Bettina Joa 3 (2016 - 2020) & Philipp Mack3 (seit 2019)

1 Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Abteilung Wald & Gesellschaft

2 European Forest Institute, Resilience Programme, EFI Bonn

3 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät Umwelt und Natürliche Ressourcen, Institut für Forstwissenschaft,
Professur für Wildtierökologie und -management

Hintergrund

Forstpraktiker (private Waldbesitzer und ihre Angestellten, Angestellte in staatlichen und kommunalen Forstbetrieben, Auftragnehmer) sind die Personen, die die Ziele der Erhaltung der Artenvielfalt in der Waldbewirtschaftung umsetzen. Sozialwissenschaftler haben in den letzten Jahrzehnten wiederholt die Einstellungen und Beweggründe besonders von privaten Waldbesitzern, aber auch Angestellten im öffentlichen Dienst, analysiert (1). Diese Analysen haben häufig zu soziologischen Typologien von Waldpraktikern geführt (z. B. rohstofforientierte vs. freizeitorientierte, städtische vs. ländliche Lebensweise).
Die meisten dieser Studien konzentrierten sich jedoch nicht speziell auf den Naturschutz. Eine Ausnahme bilden zum Teil die Arbeiten von Bieling (2) oder Schaich und Plieninger (3), welche die Relevanz des privaten Waldbesitzes für naturnahe Forstwirtschaft und damit verbundene Ökosystemdienstleistungen analysiert haben. Eine systematische Analyse des lokalen (traditionellen) ökologischen Wissens von Forstpraktikern und insbesondere den damit zusammenhängenden Praktiken wurde jedoch im deutschen und europäischen Kontext noch nicht durchgeführt.

 

Fragestellungen und Hypothesen

  •  Wir untersuchen die Wahrnehmung und das lokale (traditionelle) ökologische Wissen von Waldpraktikern in Bezug auf den Erhalt und die Managementpraktiken von Wald-Biodiversität, einschließlich der Art und Weise, wie solches Wissen geschaffen und transformiert wird.
  • Die Motivation der Waldbesitzer im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung ihrer Wälder reicht von ökonomischer Rationalität bis hin zu verschiedenen Arten von kulturell verwurzelten Ansichten.
  • Wir erforschen die Praktiken, die Waldpraktiker zum Schutz der Biodiversität anwenden.

C2 verbindet dabei drei unterschiedliche Forschungsbereiche. Es verbindet konzeptionell sozialpsychologische Erkenntnisse aus der Forschung zu (privaten) Waldbesitzern, deren Einstellungen, Praktiken und institutioneller Integration (1), sowie die Arbeiten zu (traditionellem) ökologischem Wissen und Praktiken im Naturschutz (4) mit der Literatur zu Diskursen zum Wald- und Biodiversitätsschutz und (professionellen) Paradigmen des Waldmanagements unter Praktikern und Politikern in Europa (5).Diese Verbindung ist sehr vielversprechend, da alle diese Forschungsfelder für die Hauptfragen in C2 relevant sind, in einem empirischen Forschungsprojekt jedoch nie systematisch miteinander in Verbindung standen.

 

Ansatz, Methoden und Verknüpfungen

Methodisch schreitet C2 in drei verschiedenen Phasen voran, wobei empirische Arbeiten durchgeführt werden, die jeweils zu wissenschaftlichen Artikeln führen. In einer ersten Phase wurde eine systematische Literaturrecherche, sowie explorative Interviews und Dokumentenanalysen durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurde eine Reihe qualitativer Interviews, kombiniert mit gemeinsamen Besuchen von Waldstandorten (teilnehmende Beobachtungen), verwendet, um lokales (traditionelles) ökologisches Wissen und verwandte Praktiken zu analysieren. Zusätzlich zu den gemeinsamen Besuchen von Waldstandorten laden wir Praktizierende dazu ein, Fotos von Waldbeständen (z. B. mit und ohne Habitatbäumen, Totholz, Feuchtgebiete) zu machen und bitten die Interviewpartner, ihre Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität und die Waldbewirtschaftung zu interpretieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbreitung von (professionellen) Waldbewirtschaftungsparadigmen auf lokaler Ebene und wie sie sich diese mit traditionellem ökologischem Wissen, den Wissensquellen verbindet und wie es sich in lokalen Praktiken manifestiert. In einem dritten Schritt wurde eine quantitative, repräsentative E-Mail-Umfrage verwendet, um eine Quantifizierung abgeleiteter Muster anzustreben.
Darüber hinaus analysiert diese Umfrage die Bedeutung sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Gradienten, die verschiedene Arten von Landbesitz widerspiegeln, einschließlich rechtlicher Aspekte (Eigentumsrechte, Status des Schutzgebiets), institutioneller Parameter und sozialer Merkmale (z. B. Geschlecht, Alter, Schulbildung) für Waldbewirtschaftungsparadigmen und die Existenz / Form von traditionellem ökologischen Wissen.
C2 verwendet die Strukturdaten von A1, A2 und arbeitet mit C1, D1, D2 zusammen. Die Datenerhebung in C2 umfasst außerdem die PraktikerInnen, die auf den 135 ConFoBi Untersuchungsflächen arbeiten, um den interdisziplinären Austausch und gemeinsame Veröffentlichungen zu ermöglichen.

 

Ergebnisse

Wissenschaftliche Artikel:
Joa, B., Winkel, G., Primmer, E. (2018): The unknown known – A review of local ecological knowledge in relation to forest biodiversity conservation. Land Use Policy 79: 520–530. DOI: 10.1016/j.landusepol.2018.09.001

Konferenzbeiträge:
Frey, J., Bettina Joa, B., Koch, B. (2018): Strukturreichtum messen und bewerten: Terrestrische Laserscans versus ForstexpertInnen. Forstwissenschaftliche Tagung 2018, Göttingen 24.09.2018. https://www.fowita-konferenz.de/download/Book_of_Abstracts.pdf
Joa, B., Mikoleit, R., Cosyns, H., Schulz, T. (2018): Den ökologischen und ökonomischen Wert von Bäumen diskutieren: Zielkonflikte einer integrativen Forstwirtschaft. Forstwissenschaftliche Tagung 2018, Göttingen 26.09.2018. https://www.fowita-konferenz.de/download/Book_of_Abstracts.pdf
Joa, B., Schraml, U. (2018): Linkages between Forest Knowledge, Conservation Perceptions and Practices in Private Forestry. IUFRO 3.08.00 Small-scale Forestry Conference 2018 - Transformations towards a new era in small-scale forestry, Vaasa, Finland, 11.06.2018. http://epublications.uef.fi/pub/urn_isbn_978-952-61-2790-3/urn_isbn_978-952-61-2790-3.pdf
Joa, B. (2017): Local ecological knowledge (LEK) of forest practitioners and its relevance for biodiversity conservation - a literature review. 125th IUFRO Anniversary Congress 2017 – Interconnecting Forests, Science and People, Freiburg, Germany, 18.09.2017. http://iufro2017.com/wp-content/uploads/2017/11/IUFRO17_Abstract_Book.pdf