Deutsch

Deutsch

 

ConFoBi

Erhaltung der Waldbiodiversität in vielfältig genutzten Landschaften Mitteleuropas

(Conservation of Forest Biodiversity in Multiple-Use Landscapes of Central Europe)

Rahmen

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg (GRK) ConFoBi der Universität Freiburg ist ein inter- und transdisziplinäres Forschungsprogramm zum Biodiversitätsschutz im Wald. Es fokussiert ausdrücklich auf Wirtschaftswälder und adressiert die Frage, wie Biodiversitätsschutz effektiv und effizient in die übliche Waldnutzung integriert werden kann. Dazu kombiniert ConFoBi ökologische Studien zur Waldbiodiversität mit sozialen und ökonomischen Studien zum Biodiversitätsschutz. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ist mit zwei Promotionsarbeiten als Projektpartner eingebunden. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) und ForstBW haben die Pläne für die Einrichtung dieses Graduiertenkollegs zur Biodiversität von Wirtschaftswäldern von Beginn an unterstützt. Für die Durchführung ist die Kooperation mit den Bewirtschaftern des Staatswaldes in Baden-Württemberg vorgesehen und nötig.

ConFoBi hat eine Laufzeit von zunächst 4,5 Jahren (Juli 2016 bis Dezember 2020); eine Verlängerung um weitere 4,5 Jahre ist vorgesehen. Die Forschung wird überwiegend von 12 Doktoranden, unterstützt von Studierenden durchgeführt, die von Wissenschaftlern der Universität und der FVA betreut werden. Das GRK bietet den Promovierenden eine interdisziplinäre Ausbildung, die darauf abzielt, ihre wissenschaftliche Selbständigkeit zu fördern, ihre inter- und transdisziplinäre Kompetenz auszubauen, sie für Führungspositionen inner- und außerhalb der (Forst-)Wissenschaft zu qualifizieren und ein internationales Netzwerk aus Kollegen und Partnern bereitzustellen.

Fragestellung

Die zentrale Forschungsfrage von ConFoBi ist, wie in bewirtschafteten Wäldern eine nachhaltige Nutzung am besten mit dem Erhalt der Biodiversität vereinbart werden kann. Konkret geht es darum, die Effektivität strukturerhaltender Maßnahmen, z.B. in Form von Habitatbäumen oder Totholz, wie es auch im Alt- und Totholzkonzept (AuT) von ForstBW praktiziert wird, wissenschaftlich zu überprüfen und gegebenenfalls Vorschläge für eine weitere Entwicklung solcher Programme zu unterbreiten. Der Schwarzwald dient dabei als Modellsystem.

Bedeutung

Waldbesitzer in Baden-Württemberg und anderswo engagieren sich in vielfältiger Weise für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität in Wäldern. Segregative Ansätze wie Bannwälder und andere dem Prozessschutz dienende Schutzgebiete liefern einen wichtigen Beitrag. Wesentlich für die Erhaltung der Biodiversität der Wälder ist es jedoch, Biodiversitätsschutz nicht nur punktuell zu betreiben, sondern großflächig in die vielfältigen Ansprüche an multifunktional genutzte Wälder zu integrieren. Dies könnte gelingen, indem im Wirtschaftswald gezielt Habitatstrukturen erhalten bleiben, die das Vorkommen von Tieren und Pflanzen sichern, die an alte Waldentwicklungsstadien angewiesen sind. Das Land Baden-Württemberg hat diesen Ansatz eines integrativen Biodiversitätsschutzes im Wald unter anderem mit dem AuT-Konzept aufgegriffen. So sollen sich die inzwischen überwiegend ausgewiesenen Habitatbaumgruppen zu Refugien für Tiere und Pflanzen entwickeln. Wie viele solcher Strukturelemente jedoch tatsächlich in Abhängigkeit der jeweiligen Bestände und ihrer Umgebung erforderlich sind, und wie sie in Beständen und Landschaft verteilt sein sollten, ist unklar. Bislang wurden die Wirkungen solcher Konzepte jedoch kaum wissenschaftlich untersucht. Ebenso unklar sind die ökonomischen und sozialen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung.

Für eine hohe Aussagekraft entsprechender Arbeiten ist es wichtig, dass die Auswahl von Untersuchungsflächen systematisch und nachvollziehbar erfolgt. Eine Orientierung am AuT allein macht daher für die Beantwortung der Forschungsfragen keinen Sinn. Die ökologische Funktion von Alt- und Totholzstrukturen kommt schließlich erst längere Zeit nach Ausweisung zum Tragen, ConFoBi konzentriert sich daher nicht auf die aktuell ausgewiesenen Habitatbaumgruppen, sondern auf einen Strukturgradienten. Es nimmt damit auch eine komplementäre Funktion zur derzeit an der FVA durchgeführten Evaluierung des AuT-Konzepts ein. ConFoBi zielt darauf ab, den integrativen Ansatz des Landes zum Biodiversitätsschutz im Wald durch konkrete Aussagen sowohl zu den ökologischen als auch den sozioökonomischen Voraussetzungen einer effektiven und effizienten Umsetzung im Sinne nachhaltiger Forstwirtschaft zu unterstützen. Es dient daher der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Akzeptanz der forstlichen Nutzung von Wäldern und bietet eine wissenschaftliche Untermauerung für die Erfüllung der naturschutz-rechtlichen Anforderungen durch Konzepte der Erhaltung von Strukturelementen (z.B. AuT).

Untersuchungsflächen

Das Untersuchungsdesign von ConFoBi basiert auf 135 1ha großen Flächen (Plots) entlang von zwei Umweltgradienten: (1) Waldanteil in der Landschaft und (2) Strukturreichtum im Bestand, welche sich jeweils in drei Kategorien unterteilen lassen. 15 Plots für jede der 9 Kombinationsmöglichkeiten ergeben insgesamt 135 Plots (siehe Tabelle 1). Alle Plots wurden anhand zahlreicher projektspezifischer Kriterien in einem langen Prozess von der FVA vorausgewählt (siehe unten). Auf den Plots werden eine Vielzahl von Aufnahmen und Messungen teils regelmäßig wiederholt; jedoch werden keinerlei Eingriffe und Veränderungen vorgenommen.

Tabelle 1: Zusammenfassung der Kategorien beider Gradienten zur Vorauswahl der Untersuchungsflächen. Für jeden der beiden Gradienten werden drei Kategorien mit jeweils 15 Plots unterschieden, so dass sich eine Gesamtstichprobe von 135 Plots ergibt.


Zusammenfassung der Kriterien zur Vorauswahl

Auswahl oder Ausschluss-Kriterien:

  • Staatswald
  • Einzelwuchsbezirke Südschwarzwald und Baar-Wutach
  • Höhenlage ≥ 500 m ü. NHN
  • Bestandesalter ≥60 Jahre (FE-Daten)
  • Hangneigung ≤35°
  • ≥1 km Abstand zwischen den Plotmittelpunkten
  • Keine Gebäude, Straßen, Forstwege und Gewässer (Bach, Tümpel, etc.) innerhalb des Plots (kein Ausschluss von Rückegassen und unbefestigten Maschinenwegen)
  • Keine Auerhuhn-Hotspots (FVA-Daten)

Landschaftsgradient: Waldanteil in 25km² um Plot-Mittelpunkt

  • Klasse: 0-50% Waldanteil
  • Klasse: 50-75% Waldanteil
  • Klasse: >75% Waldanteil

Strukturgradient:

  • Klasse: 0 stehende Totholzbäume
  • Klasse: 1-9 stehende Totholzbäume
  • Klasse: ≥10 stehende Totholzbäume

Zusätzlich fand eine visuelle Ansprache über CIR-Luftbild und Stereoskopie statt; HBG mit stehendem Totholz wurden nach Möglichkeit berücksichtigt.

Ansprechpartner*innen – ConFoBi gliedert sich in 12 Teilprojekte, welche von einem Koordinationsteam und zwei Sprecher*innen unterstützt werden:

Sprecher*in
Sprecherin: Ilse Storch, ilse.storch@wildlife.uni-freiburg.de, 0761 203-3797
Stellvertretender Sprecher: Jürgen Bauhus, juergen.bauhus@waldbau.uni-freiburg.de, 0761 203-3677

Koordination
Theresa Waldvogel & Johannes Penner
Ansprechpartner: Johannes Penner, johannes.penner@wildlife.uni-freiburg.de, 0761 203-96851

A1 – Fernerkundungsbasierte Methoden zur Evaluierung der Waldstrukturen
Julian Frey & Barbara Koch
Ansprechpartner: Julian Koch, julian.frey@felis.uni-freiburg.de, 0761 203-96854

A2 – Erhalt von Strukturelementen in Nutzwäldern
Thomas Asbeck, Patrick Pyttel & Jürgen Bauhus
Ansprechpartner: Thomas Asbeck, thomas.asbeck@waldbau.uni-freiburg.de, 0761 203-3675

B1 – Epiphyten und Mikrohabitatdiversität und -funktion auf Habitatbäumen
Diane Stevenson, Stefanie Gärtner & Albert Reif
Ansprechpartner: Diane Stevenson, diane.stevenson@waldbau.uni-freiburg.de, 0761 203-3683 (Reif)

B2 – Pflanzendiversität in Abhängigkeit von struktureller Heterogenität in bewirtschafteten Wäldern
Jan Helbach, Thomas Ludemann & Michael Scherer-Lorenzen
Ansprechpartner: Jan Helbach, jan.helbach@biologie.uni-freiburg.de, 0761 203-96853

B3 – Diversität und Funktion von Pflanzen-Insekten Interaktionen entlang eines Strukturgradienten
Anna Knuff, Michael Staab & Alexandra Klein
Ansprechpartnerin: Anna Knuff, anna.knuff@nature.uni-freiburg.de, 0761 203-8672

B4 – Funktionale Konnektivität von saprophytischen Käfern in Totholz Flächen
Nathalie Keller & Gernot Segelbacher
Ansprechpartnerin: Nathalie Keller, nathalie.keller@wildlife.uni-freiburg.de, 0761 203-3684

B5 – Landschafts-moderierte Nutzung von Waldstrukturen durch Fledermäuse
Marlotte Jonker & Veronika Braunisch
Ansprechpartnerin: Marlotte Jonker, marlotte.jonker@wildlife.uni-freiburg.de, 0761 203-3684

B6 – Multi-skalen Evaluierung von Vogel-Wald Beziehungen
Marco Basile & Ilse Storch
Ansprechpartner: Marco Basile, marco.basile@wildlife.uni-freiburg.de, 0152 514 173 87

C1 – Ökonomische Evaluierung von Biodiversitätsorientierter Waldbewirtschaftungsstrategien
Andrey Lessa, Rasoul Yousefpour & Marc Hanewinkel
Ansprechpartner: Andrey Lessa, andrey.lessa@ife.uni-freiburg.de, 0761 203-3793

C2 – Lokales Wissen zur Biodiversität und zu Waldnaturschutzpraktiken im Privatwald
Bettina Joa, Georg Winkel & Ulrich Schraml
Ansprechpartnerin: Bettina Joa, bettina.joa@confobi.uni-freiburg.de, 0761 203-96852

D1 – Professionelle Epistemologien und Integration von biodiversitätsbezogenem Wissen in sozio-politische Entscheidungsprozesse
Ronja Mikoleit & Michael Pregernig
Ansprechpartnerin: Ronja Mikoleit, ronja.mikoleit@envgov.uni-freiburg.de, 0761 203-96854

D2 – Evidenzbasiertes Biodiversitätsmanagement in Wäldern
Fabian Gutzat & Carsten Dormann
Ansprechpartner: Fabian Gutzat, fabian.gutzat@biom.uni-freiburg.de, 0761 203-96852