Sie sind hier: Startseite Projekte B5) Fledermäuse und Waldstrukturen

B5) Fledermäuse und Waldstrukturen

Landschafts-moderierte Nutzung von Waldstrukturen durch Fledermäuse

Veronika Braunisch 1,2 & Ilse Storch 3
DoktorandInnen: Marlotte Jonker 1,3 (seit 2016) & Anna-Lena Hendel (seit 2019)

1 Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Abteilung für Waldschutz

2 Universität Bern, Institut für Biologie, Institut für Ökologie & Evolution, Abteilung Naturschutzbiologie

3 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Institut für Forstwissenschaft, Professur für Wildtierökologie und -management

Hintergrund

Fledermäuse gelten als Indikatoren für die strukturelle Komplexität von Wäldern und werden häufig als Zielarten für Artenschutzsprogramme ausgewählt, die wichtige strukturelle Elemente der Waldbewirtschaftung integrieren. Waldbewohnende Fledermausarten nutzen alte und tote Bäume als Schlafplätze, sowie Waldlücken und lineare Elemente für die Nahrungssuche und zur Fortbewegung. Die Beibehaltung von Altholzstrukturen kann also vorteilhaft sein, doch wie jüngste Studien zeigen, können ihre Nutzung und Verwendbarkeit durch Fledermäuse stark vom Landschaftskontext abhängen. Auf Ebene der Untersuchungsfläche (1 ha) wurde zwar eine artspezifische Zuordnung des Fledermausvorkommens mit Waldstrukturen gezeigt, jedoch fehlen im Landschaftsmaßstab Mindestanforderungen an die Abundanz und Verteilung solcher Strukturelemente.

 

Fragestellungen und Hypothesen

B5 setzt die Fledermausdiversität, -aktivität und Art der Habitatnutzung mit den Waldmerkmalen auf Bestandsebene, sowie der Heterogenität der Landschaft in Beziehung. Wir erwarten, dass:

  • die artspezifische Verwendung von Strukturelementen auf lokaler Ebene von der umgebenden Landschaft reguliert wird,
  • die Artenvielfalt und die funktionellen Gilden mit der Heterogenität sowohl im Waldbestand als auch im Landschaftsmaßstab zunehmen werden,
  • die relative Abundanz und Vielfalt der Waldspezialisten mit der Häufigkeit alter Waldbestände (Habitatbäume) und Totholz in der Umgebung zunehmen wird,
  • die Struktur der lokalen Wälder den Nahrungsreichtum und die Erreichbarkeit für verschiedener Nahrungsgilden bestimmt, aber die Aktivität zur Nahrungssuche auf Ebene der Untersuchungsfläche jedoch durch die Heterogenität der Matrix, deren Durchlässigkeit und lineare Verbindungsstrukturen auf der Landschafts-Ebene beeinflusst wird.

 

Ansatz, Methoden und Verknüpfungen

Automatische akustische Rekorder werden eingesetzt, um Fledermausarten (-gruppen) zu ermitteln und ihre Aktivität zu quantifizieren. Das Vorkommen, die Vielfalt, Diversität und Aktivität von Arten werden dann mit der Waldstruktur und den landschaftlichen Bedingungen, die durch Fernerkundung und terrestrische Kartierung auf den Untersuchungsflächen erhoben werden, in Beziehung gesetzt. Es werden LiDAR-Informationen zur Erfassung der 3D-Charakteristiken unterhalb des Kronendachs (A1) und Kartierungen der Waldstruktur (A2) verwendet, um das Vorkommen von Fledermäusen auf der Bestandsebene vorherzusagen. Variablen auf der Landschaftsebene werden aus GIS-Datenbanken und Stereo-Luftbildaufnahmen abgeleitet. Durch die Analyse der Verfügbarkeit von Nahrung (Zusammenarbeit mit B3, B4 und B6) werden funktionale Zusammenhänge verdeutlicht. Durch den Bezug von Fledermausvorkommnisse und -vielfalt auf strukturelle Merkmale werden quantitative Zielwerte für die integrative Waldbewirtschaftung abgeleitet.

 

Ergebnisse

In den ersten drei Jahren wurden auf allen 135 Untersuchungsflächen sowohl Fledermäuse in ihrer Häufigkeit wiederholt erfasst, wie auch die darauf bezogenen Habitatstrukturen auf Ebene der Untersuchungsfläche und der Landschaft. Die noch laufenden Analysen zeigen die Bedeutung von Lücken und Öffnungen im Kronendach für die Fledermausaktivität auf Ebene der Untersuchungsfläche. Zusätzlich wurden in einer Pilotphase Lichtfallen auf einem Teil der Untersuchungsflächen eingesetzt, um Motten und andere nächtliche Wirbellose zu sammeln. Damit kann die Nahrungsverfügbarkeit mit Waldstrukturen verknüpft werden und so die Futtersuche vorhergesagt.

 

Doktorarbeitsprojekt der zweiten Gruppe: Funktion von Multi-Skalen Waldstrukturenfür intertrophische Beziehungen bei Fledermäusen

Während sich B5 in der ersten Zeit (Jahre 1-3) auf die Verbindungen zwischen mehrskaligen Waldstrukturen und Aktivität, Zahl und Häufigkeit der Fledermausarten fokussierte, fokussieren sich die zweiten drei Jahre auf die funktionale Bedeutung von Strukturen, insbesondere für die Futtersuche und die Fortbewegung zwischen Habitaten. Darauf aufbauend konzentriert sich Anna-Lena Hendel auf spezifische inter-trophische Beziehungen, sowie auf Messgrößen zur Konnektivität, welche die beobachteten Ergebnisse erklären können. B5 wird:

  • Nahrungsressourcen bewerten, die Fledermäusen entlang des Waldstrukturgradientens auf ebene der Untersuchungsfläche und der Landschaft zur Verfügung stehen. In Zusammenarbeit mit den ConFoBi-Projekten B3, B4 und B6 werden wir die Insektenhäufigkeit anhand verschiedener Methoden (Blattstreufallen, Fensterfallen, Lichtfallen usw.) bewerten, um die relative Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen für Vögel auf den 135 ConFoBi-Parzellen zu quantifizieren. Die Ergebnisse werden dann auf die Vorkommnisse von Fledermausarten, Artenzahl und Häufigkeit, sowie strukturelle Parameter auf Parzellen- und Landschaftsebene bezogen.
  • Verbindungsstrukturen (z. B. Waldränder, Lücken usw.) auf Ebene der Untersuchungsfläche und der Landschaft mithilfe von Vegetationshöhenmodellen identifizieren, welche aus Stereo-Luftbildern abgeleiteten wurden. Die Fledermausaktivität entlang dieser Strukturen wird quantifiziert und zur Modellierung des relativen Konnektivitätsniveaus jeder Untersuchungsfläche für verschiedene Arten (Gruppen) verwendet, die wiederum als Prädiktoren für die beobachtete Artzusammensetzung und das Aktivitätsmuster getestet werden.

 

Perspektiven

Darüber hinaus plant B5, die identifizierten wichtigsten Strukturen für Fledermäuse mit der Intensität der Waldbewirtschaftung zu verknüpfen. Dazu werden die auf den ConFoBi Flächen erfassten Daten (d. h. ein Gradient der Waldstruktur) mit den Daten eines verwandten Projekts verglichen, in dem ähnliche Daten an den Extremen des Bewirtschaftungsgradienten (d. h. nicht bewirtschaftete Wälder und experimentelle Kahlschlägen) erhoben wurden. Basierend auf der Grundlage dieser Ergebnisse möchte B5 Forstmanagern quantitative Zielwerte für die Abundanz und Konfiguration struktureller Lebensraumelemente für Fledermäuse auf Bestands- und Landschaftsebene liefern und das Potenzial verschiedener Bewirtschaftungsregime für die Bereitstellung dieser Elemente vergleichen.